Stand 16.12.2014

Liebe Naturschützer,
die Problematik des Naturschutzes in Verbindung mit der geplanten Hermann-Hesse-Bahn (HHB) ist bisher leider weder in der Öffentlichkeit noch in der Politik kaum angekommen und wurde in der Informationsveranstaltung am 12. Dezember während der Präsentation des LRA Calw lediglich in einem Nebensatz in der Einleitung erwähnt. Die Fragerunde brachte keine neuen Informationen diesbezüglich.

Trotzdem ist in Naturschutzkreisen vor allem das Thema Rettung der Fledemäuse von großer Bedeutung. Die neuesten Schätzungen von 2014, die mit neuesten wissenschaftlichen Methoden ermittelt wurden, zeigen, dass die zwei Tunnel Fledermaus-Winterquartiere von überregionaler Bedeutung sind. Hier überwintern 13 geschütze Arten mit einem inzwischen geschätzten Gesamtbestand von rund 7000 Tieren. Bei einer Aufnahme des Betriebes mit Zügen, die mit voller Geschwindkeit durch die Tunnel fahren, werden während der Schwärmzeit (Balz) von August bis Oktober Tiere mit den Zügen kollidieren. Eine Umsiedlung ist nicht möglich, und nach vergeblichen Versuchen im Sept. 2014 lassen sie sich auch nicht vergrämen. Der Vorschlag, der heute noch verfolgt wird, Ersatzquartiere im Kreis Calw bzw. ggf. sogar sonstwo in Baden-Württemberg zu schaffen, wird den heutigen Populationen wenig helfen, wenn sie nicht von sich aus nach neuen Winterquartieren suchen. Einzige anerkannte Abhilfe wäre eine Drosselung der Zuggeschwindigkeit in den Tunnel. Diese Lösung wird aber aufgrund der sehr knappen Wendezeiten der HHB in Calw und Renningen vom Betreiber abgelehnt. Denkbar ist allerdings die Berücksichtigung von Langsamfahrstellen in einem überarbeiteten Fahrplan, wenn die Züge nur bis Weil der Stadt fahren.

Der Tod oder die Vertreibung von einer derart großen Population von Fledermäusen ist für die Naturschutzverbände völlig inakzeptabel. Seit einigen Wochen arbeiten deshalb NABU, BUND und Landesnaturschutzverband (LNV) in den Kreisen Calw und Böblingen in dieser Angelegenheit zusammen. Der NABU-Landesverband Baden-Württemberg hat die Rettung der Fledermäuse zu einem Vorstandsangelegenheit gemacht.

Die Themen Umwelt- und Naturschutz werden von vielen als bisher nicht hinreichend berücksichtigt empfunden. Und ob das heutige Betriebskonzept mit Endbahnhof Renningen den Ansprüchen an die Pünklichkeit der Züge der HHB gerecht wird, ist bisher nicht bekannt. Als Voraussetzung für das positive Ergebnis ihres Stresstests hat für DB Netz die Einhaltung des S-Bahn-Fahrplans 1. Priorität. Daher ist es umso wichtiger, dass der Fahrplan der HHB mehr Zeitreserven hat, um eigene Verspätungen aufzufangen. Alles spricht für einen Endbahnhof Weil der Stadt - und in den Tunneln geringere Zuggeschwindigkeiten mit den die Fledermäuse leben können!

Mit freundlichen Grüßen

Andrea Frank-Bühler                                      Alan Knight
1. Vorsitzende                                              Schriftführer und Biotopschutz
NABU Weil der Stadt                                     NABU Weil der Stadt