Nach über 60 Jahren nisten seit 2022 in Weil der Stadt wieder erfolgreich Störche auf dem Storchenturm! Was für andere Gemeinden ganz normal, teilweise sogar lästig ist, ist für unsere Stadt eine Attraktion!
Unser Nest ist das einzige besetzte im Landkreis Böblingen!
Die Brut und Aufzuchten seit 2022 waren erfolgreich.
Die Geschichten der einzelnen Jahre finden Sie unter den jeweiligen unter den jeweiligen Jahrgängen.
Über den Werdegang der Störche, die Ereignisse rund ums Nest wird fortlaufend berichtet von Sabine Holmgeirsson, seit 2024 Storchenbetreuerin des
Landkreises.
Das Nest muss etwa alle 3 Jahre im Herbst kontrolliert und entlastet werden, sonst werden sie tonnenschwer. Das Nest wächst pro Jahr um etwa 10 cm, das sind fast 100 kg. Unser Nest hat 2025 eine Höhe von 50 cm und einen Durchmesser von 1,80 m. Die Störche bauen jedes Jahr weiter und bringen oft auch problematisches Material ein: Funde in den Nestern waren u.a. schon Schuhe, Kleidungsstücke, aber vor allem viele Plastikteile und Gummiringe. Die Teile ähneln dem Futter, Regenwürmer. Störche können nicht schmecken und so das Material nicht von Futter unterscheiden. Daran verenden mittlerweile viele Junge im Nest qualvoll, wie 2023 einer unserer Jungstörche.
Wir bekommen für die Betreuung der Störche keine Zuschüsse von der Stadt oder anderen Behörden. Die Einsätze des Hubsteigers zur Horst- und Storchenpflege müssen wir selbst zahlen. Wer uns also unterstützen möchte, kann gerne spenden auf unser untenstehendes Konto.
Bitte als Verwendungszweck "Störche" angeben, und schon vorab herzlichen Dank für Ihre Unterstützung !!!
Vielen Dank für die bisher äußerst positiven Rückmeldungen und die große Anteilnahme am Geschehen rund um das Storchennest!
Die Männchen kommen etwa ab Mitte Februar aus dem Süden zurück und besetzen den Horst vom Vorjahr. Die Weibchen folgen etwa ein bis zwei Wochen später und treffen ihren Partner erst am Nest wieder. Geschlechtsreif gewordene Jungstörche, aber auch andere Männchen, machen den Horst dem angestammten Pärchen schon mal streitig.
Ein paar Tage nach einer erfolgreichen Paarung (meist Ende März) erfolgt die erste Eiablage, alle 2-3 Tage folgt ein weiteres Ei, bis 5 Eier im Nest liegen. Die Störche brüten abwechselnd, dabei ist teilweise nur der Kopf überm Nestrand zu sehen. Nicht alle Eier werden ausgebrütet und wenn das Futter knapp ist, sterben auch Jungtiere durch die Geschwister oder die Eltern.
32 Tage beträgt die Brutzeit und etwa 60 Tage verbringen die Jungen im Nest. Dann werden sie flügge und etwa 4 Wochen später, noch vor den Eltern, ziehen sie gen
Süden, etwa ab Mitte August. Von dort kommen sie erst zurück, wenn sie geschlechtsreif sind, also nach 2 bis 3 Jahren. Sie suchen sich neue Plätze zum Brüten, das kann weitab von ihrem Schlupfort
sein!
Der Bestand an brütenden Weißstorch-Paaren in Baden-Württemberg hat sich zum Glück gut erholt. Waren es Mitte der 1970-er Jahre nur noch 15 Brutpaare, wurden in 2023 etwas über 2000 Brutpaare gezählt. Es war viel Forschung und Schutz notwendig, um diesen Erfolg zu erreichen. Dazu gehörte auch, dass das Zugverhalten beobachtet wurde und wird, teils mit besenderten Störchen. Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell hat eine Abteilung für Tierwanderungen. Sie besendert Störche und gibt auch die Ringe aus nach bestimmten Kriterien, mit denen Störche, aber auch andere Zugvögel, gekennzeichnet werden. So kann man den Werdegang der Tiere genauer nachvollziehen. Beringung und Besenderung dient der Forschung und da unser Nest das einzige in der Region ist, ist es besonders interessant! Die Sender wiegen 27 g, der Storch über 3 kg. Vom Sender merkt der also nichts.
Beringt werden die Jungstörche im Alter zwischen 4 und 7 Lebenswochen. In diesem Alter fallen sie bei Gefahr in die sogenannte Akinese, eine Starre, die ein totes Tier vortäuschen soll. Sie wehren sich also nicht, sondern liegen starr im Nest. So können sie gewogen und beringt oder besendert werden und man schaut sich den Gesundheitszustand an. Kurze Zeit nach der Störung sind sie wieder putzmunter und auch die Alten kehren zurück und füttern, als wenn nichts gewesen wäre.
Alle Funde beringter Störche kommen in ein Register und werden den entsprechenden Störchen zugeordnet. Der "Finder" bekommt Informationen über die Herkunft der Tiere, man kann also die Ringnummer (wenn man sie denn ablesen konnte) nach Radolfzell melden und bekommt Auskunft über den Storch.
Aber auch wer die Beringung der Jungen veranlasst hat, bekommt Auskunft, wenn diese Störche wiedergefunden werden. So erreichte uns 2025 eine Meldung von einem unserer Jungen aus 2022! Die 3 Jungen aus 2023 wurden mit Sendern versehen, man konnte die Überwinterung von Trick mitverfolgen.
Vor allem an den Überwinterungsorten in Spanien und Afrika gibt es auch professionelle Ringableser, aber auch bei uns werden an bestimmten Beobachtungsstationen die Ringe abgelesen und die Informationen weitergegeben.
Sehr oft werden wir dazu angeregt, eine Webcam zu installieren und auf dieser Homepage zu verlinken.
Wir fänden es auch schön, einen direkten Blick ins Nest zu haben und die Aufzucht der Jungstörche besser beobachten zu können.
Wo bringt man aber die Kamera an, von wo hat man einen Blick ins Nest? Die beste Lösung wäre eine Anbringung direkt am Nest. Wir haben nun allerdings die Erfahrung machen müssen, dass wir eine Webcam am Nest nicht einrichten können. 4 Jungvögel und die Altstörche füllen das Nest komplett und es musste und muss ein reibungsloser An- und Abflug ans Nest aus allen Richtungen möglich sein. Wir haben schon versucht, aus umliegenden Gebäuden heraus einen passablen Blick ins Nest zu bekommen. Leider haben wir in der Umgebung keine wesentlich höheren Gebäude, von denen man herunter ins Nest schauen könnte. So sind wir in Absprache mit anderen Storchenexperten zu dem Schluss gekommen, keine Webcam zu installieren.
Immer wieder wird beobachtet, dass auch andere Störche versuchen, das Nest zu übernehmen. Da würde es doch naheliegen, weitere Nester zu installieren. Aber es gibt
auch Bedenken, die nicht leicht zu entkräften sind. Mit weiteren Nestern verhindern wir versuchte Horstübernahmen nicht! Aber sie brauchen eigentlich auch keine vorbereiteten Gestelle, um
zu nisten.
Es gibt seit 2024 ein weiteres Nest in Merklingen (siehe unten), das allerdings noch immer unbesetzt ist.
1. Akzeptanz weiterer Nester
Störche nisten oft in Kolonien, auf manchen Dächern zählt man 8 Nester und mehr. Sie sind also gewohnt, auf engem Raum miteinander auszukommen. Das geht allerdings
nicht ohne Kampf ab, teils mit schweren Verletzungen, und auch Nistmaterial wird gern bei den Nachbarn geraubt. Der schwerste Schritt ist aber, dass neben einem 1. Nest im Umkreis ein 2.
erfolgreich besetzt wird und einen Bruterfolg hat. Störche sind auch revierbildend und das Paar im 1. Nest sieht alle weiteren Nester im Umkreis als ihre eigenen an. Sie kämpfen also mit
Neuankömmlingen und versuchen, die Besetzung weiterer Nester zu verhindern. Durch die ständigen Kämpfe und Vertreibungen sind die Störche dermaßen unter Stress, dass eine Aufzucht von Jungen
nicht möglich ist. Es kann also mehrere Jahre dauern, bis ein 2. Nest auch erfolgreich dauerhaft belegt wird. Wenn dieser Schritt gemacht ist, sind die Schritte zu weiteren Nestern wesentlich
einfacher.
2. Futter ausreichend vorhanden?
Diese Frage wird sehr oft gestellt: was fressen die Störche? Jeder kennt den Mythos, dass Störche Frösche jagen und fressen. Doch das stimmt so nicht, denn davon gibt es so wenig mittlerweile, dass die Störche sich umgestellt haben auf Mäuse, Regenwürmer und Insekten, vor allem Heuschrecken. Aber auch Blindschleichen und Fische werden nicht verachtet.
Störche sind meist auf Feuchtwiesen unterwegs und davon gibt es bei uns, auch durch Bebauung, immer weniger. Auch die trockenen Sommer setzen ihnen sehr zu. Die Jungen brauchen in den letzten Nestlingswochen jedes etwa 1,5 kg Futter pro Tag! Wenn das Futter nicht für alle Jungen reicht, wird das oder die Schwächsten auch aus dem Nest geworfen.
Wollen wir das riskieren? Das diskutieren wir immer wieder, denn wir sind nicht sicher, ob auf den umgebenden Wiesen wirklich genug Futter für, angenommen 4 Paare
plus Junge, vorhanden wäre. Der Storchenexperte, der auch die Beringung vornahm, hat sich da eindeutig geäußert: es sollte bei einem Nest in der Stadt bleiben.
2024 hat der Verein der Vogel- und Naturfreunde Merklingen ein neues Storchennestgestell
auf dem Steinhaus installieren lassen.
Schon vorher haben sich immer mal wieder durchziehende Störche dort niedergelassen.
Ende August kam ein Trupp von 13 Jungstörchen und ließ sich auf den Dächern der Kirchenburg und auf dem Nest nieder. Es wurde also schon begutachtet!
Wir sind gespannt, ob schon nächstes Jahr ein Storchenpaar in dem Nest brüten wird.